
Niemand erzählt die WM 2026 so wie Deutschland Die Social-Media-Profile der Mannschaft sind unvergleichlich
Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist die Social-Media-Königin der WM 2026. Die typisch deutsche Strenge hat dem kreativen Einfallsreichtum des digitalen Bereichs auf den offiziellen Profilen Platz gemacht. Konstante Content-Produktion, stets aktualisierte Feeds und eine unverwechselbare grafische Ästhetik haben das Gesicht der Mannschaft – zumindest auf virtueller Ebene – in einen höheren Gang geschaltet. Durch das Umwerben der Algorithmen verschiedener sozialer Netzwerke und den Abbau von Barrieren zu den eigenen Followern ist das Engagement in die Höhe geschossen und produziert schwindelerregende Zahlen. Instagram bildet die Spitze der Pyramide mit 7,5 Millionen Followern, gefolgt von 7,1 Millionen auf Facebook, 2 Millionen auf TikTok und 653.000 auf YouTube. Den kulturellen Vergleich mit Vorsicht genossen, erinnert dieser so ungezwungene und fantasievolle Ansatz an den Sturm und Drang, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Fesseln des Rationalismus gesprengt hat – ausgerechnet auf deutschem Boden –, um etwas Neues zu schaffen. Genauso neu ist das, was die Seiten der Nationalmannschaft in den sozialen Schaufenstern zeigen, allen voran auf Instagram.
Die visuelle Identität auf Instagram
Doch wie entwickelt sich die visuelle Identität des Instagram-Profils @dfb_team für diese Weltmeisterschaft konkret? Man könnte sagen, wir haben es mit einer geordneten Kreativität zu tun. Der Feed der Seite zeigt einen dokumentarischen Ansatz – auch dank der hervorragenden Arbeit des Fotografen Max Galys –, bei dem Tag für Tag die Reise der deutschen Nationalmannschaft erzählt wird, vom ersten Zusammentreffen bis zum laufenden Turnier. Für jeden Tag gibt es ein Karussell aus Fotos und Videoclips, das einen täglichen Rückblick bietet, mit einheitlichen Covern, die den Schriftzug „TAG" und die entsprechende Nummer tragen.
Editing-Kunstgriffe produzieren dann äußerst sorgfältig gestaltete und aufwendige Reels, wie etwa jene, die einen Scroll-Effekt zwischen den einzelnen Trainingsclips nachbilden. Die fotografische Arbeit ist außergewöhnlich: Eine intelligente Homogenität in Licht und Schrift wird bei höchster Bildauflösung beibehalten. Einige Aufnahmen wurden mit Vintage-Videokameras gedreht, was dem Ganzen einen noch ästhetischeren Touch verleiht. Dazu kommt die Liebe zum Detail bei Halsketten, Gesichtern, Frisuren, Heimtrainern und Torwarthandschuhen: Nichts wird vernachlässigt.
Die institutionellen Cover der Matchdays sind sehr schlicht gehalten; ergänzend dazu gibt es eine alternative Version, bei der sich die Grafik an einer Postkarte im Doppel-Slide-Format orientiert, auf der einige Symbole der Gastgeberstadt neben Mannschaft-Spielern im Vordergrund zu sehen sind. Auch im Stories-Bereich gilt es, wie der Algorithmus lehrt, aktiv zu bleiben – und das Profil der Nationalmannschaft hat das vollkommen verinnerlicht. Die grafische Schriftart ist seit Jahren dieselbe, doch daneben wurden Elemente hinzugefügt, die zuvor fehlten. Seit 2022 ist Sabrina Dirks für die offiziellen Social-Media-Kanäle verantwortlich und bekleidet eine Art Team-Leader-Rolle. Das Management der digitalen Inhalte liegt bei Steffen Kallweit, die Social-Media-Redaktion wird von Karl Evers koordiniert, während Phillip Reinhard der offizielle Fotograf der Nationalmannschaft ist.
Die Spieler als Protagonisten
Was die Fans der Nationalmannschaft am stärksten näherbringt, ist eindeutig die vorrangige Aufmerksamkeit für die nominierten Spieler. Nicht nur in fußballerischer, sondern vor allem in menschlicher Hinsicht – denn gerade das ist der Schlüsselfaktor, um mit ihnen zu empathisieren. So wurden die Kaderberufungen beispielsweise auf folgende Weise enthüllt: Es wurden monografische Clips veröffentlicht, die mit Kindheitsfotos des jeweiligen Spielers beginnen, um auf die Unschuld und das Alter anzuspielen, in dem man voller Träume ist. Das Video sammelt dann verschiedene Filmaufnahmen von Spielen aus der Kindheit, mit Erzählerstimmen von Verwandten und Bekannten, die auf intime Weise über den betreffenden Spieler sprechen und dabei alle bisher erlebten Lebensphasen durchlaufen. Auf dem Cover wird das Bild der Spieler als Kinder mit dem Namen verknüpft, unter dem sie am geläufigsten bekannt sind – in den meisten Fällen ein Kosename des Vornamens, aber auch eine Abkürzung des Nachnamens. Schlotterbeck wird zum Beispiel zu Schlotti, Nathaniel Brown ist Nene, Lennart Karl ist Lenny, Florian Wirtz ist Flo und so weiter. Dazu erscheint der Schriftzug „Er fährt mit uns zur WM 2026".
Die für das WM-Abenteuer nominierten Spieler wurden am ersten Tag mit einer Polaroid-Kamera fotografiert. Einige erschienen in Vintage-Trikots der Mannschaft: Woltemade trägt etwa das Trikot der bittersüßen Heim-WM 2006, Goretzka entscheidet sich für das Trikot von USA 1994. Wirtz trägt ein Stück aus der Kollaboration zwischen adidas und Willy Chavarria, Malick Thiaw eine Lederjacke von 424 x Under Armour mit Anlehnung an die deutsche Flagge. Bei den Vorbereitungsspielen stieg die gesamte Mannschaft mit Teilen der Vintage-Kollektion, die ganz von USA 94 inspiriert ist, aus dem Bus, oder mit einem anderen Reise-Shirt, das auf das Jahr 1992 zurückverweist.
Die Social-Media-Seite bindet die Spieler dann persönlich durch kleine Spiele und Fragen zu persönlichen Vorlieben ein. So werden sie beispielsweise zu ihren kulinarischen Entscheidungen befragt: Wie bestellen sie ihren Döner Kebab, was ist ihr Lieblingseis-Geschmack? Es wird Wer bin ich? gespielt, indem Panini-Stickerpäckchen der WM aufgerissen werden. Das Spektrum reicht von Nahaufnahmen der Spieler beim Ausführen ihrer Tricks mit dem Ball auf dem Trainingsplatz bis hin zu Momenten, in denen sie Basketball spielen, Uno-Karten spielen, offizielle Shootings absolvieren, sich mit Papierfliegern vergnügen, Kunstsprünge ins Schwimmbecken machen, Darts oder Badminton spielen.
Weitere Kanäle
Wie bereits deutlich wurde, ist Instagram das soziale Netzwerk, auf dem der Großteil der Kräfte und des digitalen Einfallsreichtums eingesetzt wird. Man sollte jedoch nicht die enorme und intensive Arbeit unterschätzen, die auf den übrigen Kommunikationskanälen geleistet wird, die der DFB gewinnbringend nutzt. Die Inhalte mit längerer Laufzeit werden naturgemäß auf dem offiziellen YouTube-Kanal des DFB veröffentlicht. Das Angebot reicht von Match-Reaktionen der Spieler auf ihre eigenen Leistungen bis hin zu Vlogs, die die Hintergründe der WM-Expedition zeigen. Dazu kommen Zusammenschnitte der täglichen Trainingseinheiten, Gespräche zwischen verschiedenen Mitgliedern des Kaders oder schlichte Pressekonferenzen von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Auf TikTok findet sich eine weitere Vielfalt digitaler Produktion, bei der die Spieler noch stärker im Mittelpunkt stehen und in plattformgerechte Challenges eingebunden werden. Schnelle und unterhaltsame Inhalte wie Tier-Lists, Rankings und Vergleiche zwischen verschiedenen Kategorien kommen sehr gut an und zeigen die extrovertierte Seite der Athleten, mit der man sich identifizieren kann.
Schließlich ist auch der Feed des Facebook-Profils gezielt auf dieses bestimmte soziale Netzwerk ausgerichtet. Im Vergleich zu Instagram werden die Reels exponentiell reduziert, dafür nimmt die konstante Produktion von Fotogalerien und Collagen mit speziellen Grafiken oder erneuerten Designs für die Matchday-Poster zu. Zudem ist eine besondere Aufmerksamkeit für deutsche Fans in den WM-Austragungsstädten zu beobachten, mit Infos zu Fan-Zonen und verschiedenen Veranstaltungen, wie der mit Thomas Müller organisierten. Im Gegensatz dazu ist die X-Seite der Mannschaft seit etwas mehr als fünf Jahren nicht mehr aktiv. Die Art des Erzählens, die der digitale Bereich des DFB bei dieser Weltmeisterschaft verfolgt, verwandelt die Social-Media-Seiten in ein Live-Dokumentarfilm-Format – äußerst mitreißend, nie langweilig und in sich stimmig. Je weiter Deutschland im Turnierbaum vorankommt, desto länger wird diese interessante Reise andauern.










































